Herbstprogramm 2022

Unser Alltag ist oft voll weiter Täler, tiefer Schluchten und herausfordernder Steigungen. Wenn Ihnen also ab und an ein bisschen schwindlig wird im Windkanal der Gegenwart, laden wir Sie ein auf unsere Bücherbrücken und Aussichtsplattformen – mit Überblick wird vieles klarer. Auf viele leichte Brisen und Leseerlebnisse mit Weitsicht im Herbst 2022.

 

SACHBUCH 

 

  • Die Fluchtforscherin Judith Kohlenberger liefert in ihrem neuen Buch „Das Fluchtparadox“ eine detaillierte Analyse unseres Umgangs mit Vertreibung und Vertriebenen und zeigt, wie wir zu einer menschlichen Asyl- und Integrationspolitik kommen können.

 

 

 

 

  • Es rumort auf dem Arbeitsmarkt. Junge Menschen fordern selbstbewusst ein wertschätzendes Betriebsklima und Teilzeitstellen. Lena Marie Glaser setzt sich in Arbeit auf Augenhöhe“ mit dem Konzept der New Work auseinander.

 

  • In „Zwei Grüne Leben“ entfaltet sich anhand der Lebenswege von Heinrich und Ulrike Lunacek ein Panorama der österreichischen Wirtschafts- und Umweltpolitik der Nachkriegszeit bis heute – und wirft einen Blick auf die Herausforderungen von morgen.

 

 

  • Vivian Mary Pudelko erzählt in „Darf ich das?“, wie Selbstfürsorge im Alltag gelingt und ermutigt mit einer extra Portion positivem Denken und Optimismus dazu, unerschrocken zu erkunden, was wir wirklich brauchen.

 

  • „Salz & Österreich“: Alfred Komarek nimmt seine Leser*innen mit auf Streifzüge durch ein Land, in dem Spuren von Salz fast überall zu finden sind und verwandelt das äußerlich unscheinbare Mineral in einen bunt schillernden, literarischen Diamanten.

 

  • Reisen wie die Könige, Diven und Spione: „Monsieur Orient-Express“ von Gerhard J. Rekel erzählt die faszinierende Geschichte des Erfinders des berühmtesten Zugs der Welt, dem es gelang politische Grenzen zu überwinden und Welten zu verbinden.

 

ÜBERMORGEN: Die Essay-Reihe  

 

  • Zaster, Moneten, Knete: Über Geld redet man nicht, man hat es. Oder? Als Erbin eines beträchtlichen Vermögens redet Marlene Engelhorn über „Geld“ – und besteht darauf, dass wir alle es tun. Ein klarsichtiges Plädoyer für eine nachhaltige Umverteilungspolitik.

 

 

LITERATUR 

 

  • In Die Kuratorinerzählt Norbert Kröll von der Karrierefrau Regina, die rücksichtlos ihren Weg geht. Als sie schwanger wird, gerät ihre Welt aus den Fugen. Eine Satire auf den Kunst- und Kulturbetrieb, die provokant weibliche und männliche Rollenzuschreibungen infrage stellt.

 

  • Eindrucksvolles Debüt – ein Generationenroman, unmittelbar und bewegend. Bettina Scheiflinger schreibt in Erbgut übers Fremdsein: an einem Ort, in einer Rolle, im eigenen Körper. Wie löst man sich vom unsichtbaren Erbe der Vorfahren?

 

  • Eintauchen in die Musik der 90er – Eurodance als Lebensgefühl der Millennials. Maria Muhar lässt die Figuren ihres vielschichtigen Debütromans Lento Violento“ tief in existenzielle Abgründe blicken, ohne dabei auf eine kräftige Portion Humor zu verzichten.

 

Hier die Vorschau zum Durchblättern:

 

Wussten Sie, dass…

· … auch Bio-Bauern Pestizide versprühen? (1,2) In Österreich entfielen im Jahr 2020 43 Prozent der verkauften Menge an Pestizid-Wirkstoffen auf solche, die offiziell in der Bio-Landwirtschaft zugelassen sind. Bio-Bauern schützen die Ernten von Erdäpfeln, Weinreben, Obst und Gemüse vor Pilzkrankheiten und Insekten mit Hilfe spezieller Bio-Pestizide. Zu ihnen gehören das Schwermetall Kupfer oder der „Bienenkiller“ Spinosad.

· … die Hälfte der Menschheit ohne „Kunstdünger“ nicht am Leben wäre? (3) Das chemische Synthese-Verfahren, mit dem natürlicher Stickstoff aus der Luft in mineralischen Dünger umgewandelt wird, machte enorme Ertragssteigerungen möglich – vor allem seit Mitte des 20. Jahrhunderts. Seinen beiden Erfindern, Fritz Haber und Carl Bosch, bescherte es je einen Nobelpreis. Wissenschaftler haben errechnet, dass annähernd jeder Zweite Erdenbewohner sein Leben dieser Erfindung verdankt.

· … dass wir Gentechnik längst auf unsren Tellern haben? (4) Weltweit sind mehrere tausend Pflanzensorten zugelassen, die auf zufälligen, mittels Radioaktivität oder chemischer Behandlung hervorgerufenen Mutationen beruhen. Das Verfahren nennt sich „Mutagenese“ und bei entsprechenden Pflanzen handelt es sich – laut einem Gerichtsentscheid des EuGHs von 2018 – um gentechnisch veränderte Organismen (GVO). Da sie allerdings von den strengen Zulassungs- und Kennzeichnungsverpflichtungen „klassischer“ Gentechnik-Züchtungen ausgenommen sind, gibt es sie ganz legal auch mit Bio- oder „Ohne Gentechnik“-Label.

· … Moore für das Weltklima viel wertvoller sind als Wälder? (5,6) Obwohl Moore nur 3 Prozent der globalen Landfläche bedecken, speichern sie mehr als doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde zusammen – die auf rund 30 Prozent der Landflächen wachsen. Anders formuliert: Ein Hektar Moor speichert im globalen Durchschnitt 6-mal so viel Kohlenstoff wie ein Hektar Wald. Ihr Schutz vor Umwandlung zu Ackerflächen und ihre Wiederherstellung gehören zu den wichtigsten Maßnahmen des Klimaschutzes.

· … der Transport nur einen geringen Teil der Klimabilanz unserer Lebensmittel ausmacht? (7) Zwar spricht vieles für regional produzierte Lebensmittel, und mit dem Flugzeug gereiste Spargel oder Erdbeeren sollte man tatsächlich vermeiden. Aber dennoch wird die Auswirkung der Transportkilometer auf die Klimabilanz häufig stark überschätzt. Bei einem durchschnittlichen, innerhalb der EU verzehrten Lebensmittel, verursacht der Transport gerade einmal 6 Prozent der damit verbundenen Treibhausgase. Viel mehr steuern Landnutzung oder die Verwendung von Düngern bei. Die Art des Lebensmittels (z.B. Fleisch oder Hülsenfrüchte) ist für das Klima daher wesentlich entscheidender als die Reise, die es möglicherweise hinter sich hat.

· … die Zahl der Honigbienenvölker stetig wächst? (8) Honigbienen gehören laut Experten zu den am wenigsten bedrohten Arten der Welt. Der Grund: es handelt sich um Nutztiere, die von den Imkern umsorgt und über den Winter gefüttert werden. 426.000 Bienenvölker gab es in Österreich im Jahr 2020, am Tiefstand 2006 waren es etwas mehr als 310.000. Auch global betrachtet spricht die Statistik der FAO eine eindeutige Sprache: Die Zahl der Bienenstöcke hat sich seit Beginn der 1960-er Jahre bis heute annähernd verdoppelt. Anders bei den Wildbienen. Hier gibt es starke Hinweise auf eine Bedrohung durch Lebensraumverlust, Nahrungsmangel und andere Umweltprobleme.

· … Koffein rund 13-mal giftiger ist als Glyphosat? (9) Koffein ist ein natürliches Pestizid und Nervengift, das der Kaffeestrauch in seinen Samen einlagert. Frisst ein Insekt am frischen Kaffeekeimling, wird es durch Koffein gelähmt oder getötet. Der so genannte LD50-Wert, ein Maß für die akute Giftigkeit, beträgt für Koffein 368 mg/kg Körpergewicht, für Glyphosat 4870 mg/kg. Das bedeutet, dass die Dosis, die im Tierversuch 50 Prozent der Tiere tötet, bei Glyphosat 13-mal größer ist als bei Koffein.

· … mehr als 150 Nobelpreisträger Greenpeace ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ vorwerfen? (10) Im Jahr 2016 wandten sich 158 lebende Nobelpreisträger in einem offenen Brief mit der dringlichen Aufforderung an Greenpeace, die Opposition gegenüber der Gentechnik in der Pflanzenzüchtung aufzugeben. Gentechnik sei so sicher, wenn nicht sogar sicherer als herkömmliche Züchtung und helfe, Menschen nachhaltiger zu ernähren. Die Haltung von Greenpeace sei allein auf Gefühlen und Dogma begründet.

 

„Landverstand“ von Timo Küntzle ist ab dem 24. März überall erhältlich!

 

1) Quelle: Grüner Bericht 2021, Seite 17

2) Vgl. etwa: Julius-Kühn-Institut, dt. Bundesforschungsinstitut f. Kulturpflanzen

3) Vgl.: ourworldindata.com: How many people does synthetic fertilizer feed?

4) Vgl. transgen.de: Wo ohne Gentechnik draufsteht, darf etwas Gentechnik drin sein

5) Quelle: Greifswald Moor Centrum, greifswaldmoor.de: Warum Moore so wichtig sind

6) Quelle: Vgl. Parish et al., 2008: Assessment on peatlands, biodiversity and climate change. Global Environment Centre, Kuala Lumpur and Wetlands International Wageningen, Seite 99

7) Vgl. ourworldindata.com: The carbon footprint of EU diets: where do emissions come from?

8) Quelle: BMLRT: Gesunde Bienen: Wieder mehr als 400.000 Bienenvölker

9) Quelle: GESTIS-Stoffdatenbank

10) Quelle: supportprecisionagriculture.org (2016): Laureates Letter Supporting Precision Agriculture (GMOs)

Autor im Interview: Mario Schlembach

Dein Protagonist und du, ihr habt denselben Beruf: Totengräber. Was fasziniert dich an dieser Tätigkeit?
Am Ende des Tages wohl einfach die Routine. Das immerwährende Sujet des Grabens, während ringsherum das Leben stattfindet. Ein Loch ausheben. Ein Loch zuschütten. Der Vergänglichkeit zuarbeiten. Ähnlich wie es Albert Camus in seinem „Mythos des Sisyphos“ beschrieben hat. Statt eines Steins rolle ich eben Särge. Und nicht zuletzt das simple Gefühl, etwas geleistet zu haben, nicht nur für sich selbst. Seit mein Papa mit dieser Arbeit begonnen hat, als ich ein Kind war, ist sie auch irgendwie Teil von mir selbst geworden. Um es mit meinem dramagebeutelten Protagonisten zu sagen, vielleicht sogar eine Berufung. Und so wie sich die Begräbnissituation gerade entwickelt, gehöre ich möglicherweise der letzten Totengräbergeneration überhaupt an, worin auch so etwas wie Poesie liegt. Der Totengräber stirbt ja aus.

Wie viele Gräber gräbt der Protagonist im Laufe des Romans?
Für jede gescheiterte Liebe eines. Vielleicht sogar mehr. Poetisch gesprochen. Rein praktisch: ca. 30 – wenn der Roman ein Jahr umspannt.

Friedhöfe sind …?
… Orte der Kontemplation. Bei Reisen besuche ich meist gleich den Friedhof, um irgendwie anzukommen – Ruhe zu finden, wo Zeit keine Rolle mehr spielt. Und literarisch betrachtet bieten Friedhöfe einen unendlichen Schatz an Lebensgeschichten.

Welche Rolle spielt Einsamkeit in deinem Roman?
Mein Protagonist gehört eher zum Typus: Krustentier. Es fällt ihm unheimlich schwer, eine Sprache zu finden, um seine Gefühle verständlich zu machen, und so zieht er sich immer weiter in sich selbst zurück, bis er eine Welt in sich geschaffen hat, die die da draußen nicht mehr braucht und sich wie ein Perpetuum mobile aus Erinnerungen und Vergangenem nährt. Der Roman, und alles was mit dem Protagonisten darin passiert, ist im besten Fall ein Aufbrechen dieser Schale, um zu sehen, was dann passiert.

Der Roman liest sich wie ein Tagebuch. Wieso hast du diese Form gewählt?
Die Form hat eher mich gewählt. Ich bin ein begeisterter Leser von Autobiographien, Briefen und Tagebüchern – quasi jeder Art von Selbstdarstellung. Für den Roman wollte ich zum Ursprung des Schreibens zurück und mich soweit wie möglich dort hineingraben – also hin zu den Momenten, bevor das Schreiben zur Literatur wird. Letztlich hat mich auch einfach die Frage interessiert: Wie lässt sich in einer überinszenierten Welt, in der jede Handlung schon Selbstdarstellung ist, sein eigenes Leben als Kitschroman deuten?

Wie setzt du die Grenzen des autofiktionalen Erzählens?
Die Grenze habe ich für mich bewusst aufgehoben, weil jedes Erzählen bereits ein fiktionaler Prozess ist. So heißt es etwa im Roman: „Authentizität ist ein Mythos für Menschen ohne Vorstellungskraft.“ Umgelegt auf den Schauspieljargon würde ich eher von einem „Method-Writing“ sprechen.

Im Roman ist zu lesen: „Das Ich möchte Wurzeln schlagen, aber die Sprache bleibt Treibsand.“ Welches Verhältnis hat der Protagonist zur Sprache?
Einerseits hätte mein Protagonist ohne Sprache seinen letzten Rettungsanker im Leben verloren. Die täglichen Notizen geben ihm Halt, wobei sie ihn andererseits am Weitergehen hindern. Zentraler Konflikt ist hier, dass er mit dem Erwachen seiner ersten Liebe zu schreiben begonnen hat und jetzt ständig alte Wunden aufkratzt. Gibt es eine Sprache für ihn ohne diese Liebe oder muss er schweigen?


Was bedeutet A. für den Protagonisten?
In jemand anderem sich selbst zu finden. Mein Protagonist lernt A. kennen, noch bevor er weiß, wer er ist oder sich auch nur irgendwelche Gedanken darüber gemacht hätte. Sein Ich erwächst aus der Liebe zu A. – ohne zu sehen, welcher Mensch ihm da gegenübersitzt. Bevor er das versteht, ist A. verschwunden und sie bleibt unbändige Sehnsucht – Unabgeschlossenes, das er nicht loslassen kann und in allen anderen Frauen zu suchen beginnt.

Lässt sich Liebeskummer von der Seele schreiben?
Akut definitiv nicht. Als Teil des Prozesses schon. Vor allem das Tagebuchschreiben bleibt ja immer ein Selbstgespräch, und ohne den Blick von außen kann es schnell zu einem Suhlen in den Eigensäften werden. Gleich wie bei der Trauerarbeit ist das Loslassen erst möglich, wenn der Blick wieder nach vorne gerichtet wird. Meist sind dafür andere Menschen und das Ausbrechen aus Gewohnheiten unabdingbar.

Welche Autor*innen bzw. welche Bücher haben dein Schreiben beeinflusst?
Für „heute graben“ die Tagebücher von Franz Kafka. Der Alltagston, der dort angeschlagen wird, in Verbindung mit literarischen Wunderstücken, hat mich immer fasziniert. „Deutschland hat Russland den Krieg erklärt. Nachmittag Schwimmschule“, heißt es darin etwa, was den Kampf eines Subjekts im Wahnsinn seiner Zeit widerspiegelt. Hier entstehen Brüche in der Sprache, die in anderen Gattungen so kaum möglich sind. Und Thomas Bernhard war für mich als Autor relevant, weil ich mich während des Studiums so sehr in sein Werk und Leben vertieft habe, bis, aus irgendeinem absurden Zufall heraus, ich mit derselben Lungenkrankheit wie er diagnostiziert wurde und wir plötzlich zu Leidensgenossen wurden. Die Auseinandersetzung mit dieser Krankheit hat mir letztlich auch den Rahmen für meinen Roman geliefert. Fern von diesen zwei Autoren waren es dann hauptsächlich die Liebesschinken, die meine Mama jeden Morgen zum Frühstückskaffee las, bevor ich in die Schule musste.

Blunzengröstl, Schnitzel und Bier. Typisch Totengräber oder typisch Österreicher?
Typisch österreichische Wirtshauskultur und Omas Kochkünste. Die Menüauswahl beim Leichenschmaus ist ja leider eher monothematisch.

Heute graben, morgen …?
… ein bisserl leben vielleicht.

Vielen Dank!

Wien, 26.01.22 / Das Interview führte Roxana Höchsmann

„Dummheit“ erobert die Bestsellerlisten

Übermorgen-Essay „Dummheit“ von Gerichtspsychiaterin Heidi Kastner hat es in den ersten Wochen des neuen Jahres auf die Spiegel-Bestsellerliste geschafft! Gleichzeitig ist das Buch, das mittlerweile in der 8. Auflage erscheint, in Österreich auf Platz 1 der Sachbuch-Bestseller* gestiegen!

Wir freuen uns sehr und gratulieren der Autorin zur äußerst gelungenen Analyse der zahlreichen Facetten der Dummheit!

 

*ermittelt von media control

Bloggerpreis Das Debüt 2021: „Mama“ gewinnt!

Aus 93 eingereichten Titeln wurde „Mama“ von Jessica Lind auf den ersten Platz des Blogger*innenpreises „Das Debüt“ gewählt! Wir gratulieren der Autorin von Herzen und bedanken uns bei den Blogger*innen für ihren Einsatz und die Unterstützung!

„Das Debüt “ ist ein Bloggerpreis für Literatur, der jährlich vom Gemeinschaftsprojekt „Das Debüt“ vergeben wird. Das Projekt wurde von literaturaffinen Bloggern ins Leben gerufen, um regelmäßig über die Vielfalt literarischer Debüts – die es am Buchmarkt nicht immer leicht haben –  zu berichten und zu informieren.

Auszüge aus den Begründungen der Blogger*innen:

Mikka Gottstein: „Dieser Roman ist so vielschichtig, so voller Symbolik, dass sicher keine zwei Leser:innen ihn auf dieselbe Art und Weise interpretieren werden. […] Ich konnte mich der Geschichte von der ersten Seite an nicht entziehen. Sie hielt mich gepackt, mit einem Gefühl der dräuenden Verdammnis und gleichzeitig dem Wunsch nach einer Versöhnung der Erzählerin mit sich selbst.“

Marc Richter: „Mit Mama hat Jessica Lind einen Horrorroman geschrieben, ohne so richtig in Horrorgefilde einzusteigen. Es geht um das Thema Schwangerschaft und Muttersein und wie mit all diesen Ansprüchen auch die Zeit verfliegt. Jessica Lind hat dieses Thema zu einem kammerspielartigen Thriller aufgebaut, der vom Setting stark an den Film Blair Witch Project erinnert (Wald) und von seiner gruseligen Grundstimmung auch an einen Stephen King heranreicht.“

Ines Daniels: „Gekonnt spielt Lind mit verschiedenen Elementen, bemüht romantische Topoi wie den einsamen Wanderer, den Luise immer wieder sieht, erzählt von Einsamkeit und Isolation, was bei mir kurz die Assoziation zu Marlen Haushofers „Die Wand“ geweckt hat. […] Der Roman ist gekonnt konstruiert, und Jessica Lind findet Möglichkeiten, sich einem Thema, das in den letzten Jahren vermehrt literarisch bearbeitet wird, noch einmal auf ganz andere Weise zu nähern.“

Sebastian Aufdemkamp: „Die Kombination aus der Auseinandersetzung mit dem Thema Kinderwunsch/Mutterschaft und den Spannungselementen, die dem Horror–Genre entlehnt sind, ergeben einen überraschend stimmigen Mix, mit dem ich absolut nicht gerechnet habe. Dazu führen das kammerspielartige Setting und die fast schon aristotelische Reduzierung zu einer intensiven Konzentration auf Amira und ihre konfliktreiche Perspektive auf ihre Mutterrolle. Hier merkt man, dass eine Debütautorin ihr Handwerk offenbar nahezu perfektioniert hat.“

Mehr Informationen zum Preis finden Sie hier.

Frühjahrsprogramm 2022

Wir graben tief und fliegen hoch, wir schaukeln raus aus der Langeweile, wir suchen Antworten und finden Fragen für heute, morgen und übermorgen: Kommen Sie mit uns ins bunt schillernde Frühjahrsprogramm 2022!

 

SACHBUCH 

 

 

  • „Lovely Planet“ – übers verantwortungsvolle Reisen: Maria Kapeller untersucht unseren Reisetrieb und spricht dabei u.a. mit Psycholog*innen, Nachhaltigkeitsforscher*innen und Philosoph*innen über Ressourcenverschwendung und soziale Ungleichheit.

 

  • Das Streitbuch zur modernen Landwirtschaft gibt überraschende Einblicke in die Produktion unserer Grundnahrungsmittel. Timo Küntzle sieht in „Landverstand“ genau hin, um mit romantisierenden und verteufelnden Vorurteilen aufzuräumen.

 

  • Kulturanthropologin Bettina Ludwig stellt in „Unserer Zukunft auf der Spur“ unser Welt- und Menschenbild auf den Kopf. Sie zeigt, was passiert, wenn wir Konzepte wie Zeit, Geld und Hierarchie neu denken und warum Unterschiede uns weiterbringen.

 

  • „Food Feelings“ – emotionales Essverhalten erkennen: Cornelia Fiechtl beschreibt, warum psychischer und physischer Hunger nicht dasselbe sind und begleitet alle, die einen Weg zu ungezwungener Ernährung frei von schlechtem Gewissen gehen wollen.

 

 

ÜBERMORGEN: Die Essay-Reihe  

  • Spiel ist Selbstvergessenheit, Versunkenheit, innere wie äußere Bewegtheit. Spielen ist ernst, aber nimmt sich nicht ernst. Norbert Trawögers „Spiel“ ist eine freudig-optimistische Ode an das Spiel als Möglichkeitsraum.

 

  • Zu vermeintlich eintöniger Tätigkeit verdammt, lässt Isabella Feimer in „Langeweile“ ihren Gedanken freien Lauf, stemmt sich Wort für Wort gegen das Diktat der ständigen Selbstoptimierung – und landet an einem Ort, an dem auf einmal alles möglich ist.

 

LITERATUR 

  • In Mario Schlembachs neuem Roman „heute graben“ steigt ein Totengräber in einen Zug und trifft seine erste Liebe. Schlembach erweist sich als Meister des Tragisch-Komischen, das Lachen ist selbst in den traurigsten Momenten nicht weit. Tiefsinnig und höchst amüsant!

 

  • Iris Blauensteiner ist mit „Atemhaut“ ein zutiefst poetisches Portrait eines jungen Mannes gelungen, der seine Identität in einer Welt voller Automatisierungsprozesse neu definieren muss. Was ist er als Mensch noch wert, wenn seine Leistung nicht mehr benötigt wird.

 

  • Eine absurd komische Reise zum Ursprung der Angst liefert Kurt Fleisch mit seinem Briefroman „Aibohphobia“. Überraschend, verstörend und kompromisslos geht er darin der Frage nach: Wessen Wirklichkeit ist die richtige?

 

Hier die Vorschau zum Durchblättern:

Judith Kohlenberger ist für den Burgenländischen Buchpreis 2021 nominiert

Wir gratulieren Judith Kohlenberger zur Nominierung!

Alle drei Jahre bekommen die Burgenländer die Möglichkeit von je sieben Büchern aus den drei Kategorien Kinder- und Jugendbuch, Belletristik sowie Sachbuch zu wählen. Heuer kann man von 4. bis 25. Oktober 2021 in 15 ausgewählten burgenländischen Buchhandlungen und Bibliotheken mitvoten.

Hier kommt ihr zu den Votingstellen.