Jungautor im Porträt: Daniel Zipfel

Aktuell beschäftigt mich die Eskalation der Sprache rund um das Flüchtlingsthema.

Das Schreiben und ich

Ich in einem Wort:

umtriebig.

Ich schreibe seit:

...ich als Jugendlicher Geschichten über meine Freunde geschrieben habe, die hoffentlich niemand mehr hervorkramt. 2007 habe ich begonnen, mein Schreiben zu professionalisieren, und ab 2011 einen Schreiblehrgang am Institut für Narrative Kunst besucht.

Diese SchriftstellerInnen haben mich geprägt:

Es ist immer Hemingway. Und dann gibt es natürlich Bücher, die ich aus bestimmten Gründen bewundere, z.B. Lolita von Vladimir Nabokov für die filigrane Architektur des Plots, Ein Winter unter Hirschen von Ralf Rothmann für die sensible Darstellung der Figuren oder so ziemlich alles von Juli Zeh für ihre pointierte Sprache.

Das Schreiben ist für mich...

Abbilden menschlicher Realitäten. Dabei nutze ich zum Einen die atmosphärische Dichte des Ortes und zum Anderen die Wahrnehmung der Figuren selbst, ihr Verhalten und ihre Beweggründe.

Zum Schreiben benötige ich...

Ruhe. Die Abwesenheit der Welt.

Der größte Störfaktor beim Schreiben...

Besagte Welt.

Ich schreibe am liebsten am/im/in/auf/unter/über/neben:

Am liebsten an meinem Schreibtisch, was sich aber mit einem Vollzeitjob und einem kleinen Kind nicht immer verwirklichen lässt. Deshalb besitze ich mittlerweile ein Tablet und eine kabellose Tastatur.

Und Bücher kaufe ich am liebsten hier:

Bücher sollte man ja in kleinen Buchhandlungen mit Türglocke kaufen, in denen ein Buchhändler in Strickweste Tee trinkt und seinen Kunden Empfehlungen abgibt. Sollte man.

Dieses Thema beschäftigt mich aktuell:

Die Eskalation der Sprache rund um das Flüchtlingsthema. Das Narrativ der Bedrohung, das derzeit die Medienlandschaft beherrscht, wenn von „Invasion“ und „Überschwemmung“ gesprochen wird. Die Angst und Verunsicherung, die dadurch geschaffen werden. Der Unwillen der Politik, mit dem Phänomen der Flucht in einer globalisierten Welt sachlich umzugehen.

Mein Tipp für HobbyautorInnen und Nachwuchshoffnungen:

Sucht euch eine Schreibwerkstatt. Reicht zu Wettbewerben ein. Gebt nicht auf.

Zu meinem Buch: "Eine Handvoll Rosinen"

Die juristische und die literarische Arbeit sind einander sehr ähnlich, es geht immer um Geschichten, um Sprache.
© Manfred Weis
© Manfred Weis
Mein Buch das erste Mal in meinen Händen...

War das wirklich einmal das Worddokument auf meinem Computer?

Die erste Lesung zu meinem Buch ...

Zum Weltflüchtlingstag beim Roten Kreuz. Passender wäre es kaum gegangen.

Die schlimmste Phase im Buchentstehungsprozess:

Einer dieser Tage, an denen man vor einer leeren Seite sitzt, dem Cursor beim Blinken zusieht und genau weiß, es wird heute nichts mehr werden.

Wir als Verlag wollten Bücher für die Sinne machen, nur das mit dem Geruchssinn war schwierig umzusetzen. Ließe sich das Buch einparfümieren, wonach sollte es riechen?

Vielleicht nach einer Mischung aus Zigarettenrauch und Nejat Salarzais schwerem, blumig-süßem Parfüm, als hätte er das Buch in seinen Schal gewickelt und auf der Fahrt von Wien nach Budapest neben sich auf dem Beifahrersitz liegen gehabt.

Wie nahtlos geht der Asylrechtsberater in die Rolledes Autors über?

Manchmal recht nahtlos, wenn man in Traiskirchen zwischen Flüchtlingen im Wartezimmer vor den Einvernahmeräumen sitzt, auf seinen Klienten wartend, und sich Notizen über den Raum macht, über das Wetter draußen oder die UNHCR-Plakate an der Wand. Insgesamt sind die juristische und die literarische Arbeit einander sehr ähnlich, es geht immer um Geschichten, um Sprache. Das Juristische gibt meinem Stil einen Zug zur Nüchternheit, zum Lakonischen. Gleichzeitig halte ich diese Sprache für sehr geeignet, um sich einem hoch emotionalen Thema, wie ich es in meinem Roman behandle, zu nähern. Die Nüchternheit ermöglicht erst einen differenzierten Blick auf die Figuren und eröffnet gleichzeitig einen Raum an Kontrasten.

"Eine Handvoll Rosinen" ist ab dem 17. August 2015 im Buchhandel erhältlich!