Autorin im Porträt: Angelika Hager

In einer Buchhandlung über Nacht eingeschlossen zu werden, wäre pures Vergnügen

Bücher & Angelika Hager

Wenn ich ein Buchgenre wäre, dann wäre ich …
... nicht festzulegen. Ich möchte vor allem meine Leser überraschen. Und mich selbst auch ein bisschen.

In einer Buchhandlung über Nacht eingeschlossen zu werden, wäre ...
... pures Vergnügen – endlich Zeit, sich durch das Angebot zu surfen.

Unter uns gesagt: Niemand in meinem Umfeld würde von mir denken, dass ich dieses Buch lese – und zwar mit Vergnügen:
Gustave Flauberts „Madame Bovary” – die Geschichte eines weiblichen Befreiungskampfes im 19. Jahrhundert, geschrieben in einem Stil, der einen niederknien lässt.

Dieses Buch rettet mich über eine schlimme Grippe hinweg:
„Wie Barney es sieht” von Mordecai Richler. Die Lebensbilanz eines „dirty old mans”, der oft die falsche Wegabbiegung genommen hat. – voller Weisheit und Witz.

Könnten die Bücher in meinem Regal als meine stillen Beobachter aus dem Nähkästchen plaudern, so würden sie mich wie folgt beschreiben:
Chaotisch, anstrengend und etwas laut.

Zu meinem Buch: "Schneewittchen-Fieber"

Macht euch niemals finanziell abhängig – egal wie viele Fortpflänze ihr in die Welt gesetzt habt
© Monika Saulich: Angelika Hager mit Ruth Westheimer
© Monika Saulich: Angelika Hager mit Ruth Westheimer

Welches Erfolgsrezept empfehlen Sie gegen Schreibblockaden?
Offene Rechnungen.

Wenn Sie plötzlich dazu gezwungen wären, eine gänzlich andere Karriere einzuschlagen, welchen Weg würden Sie gehen?
Ich würde eine Theatertruppe gründen und Lieblingsschauspieler mit Lieblingstexten durch die Lande ziehen lassen. Ich bräuchte aber einen guten Manager, denn ich kann mit Geld überhaupt nicht umgehen.

Aus welcher Richtung wird Ihnen mit Ihrer Polemik „Schneewittchenfieber“ der schärfste Gegenwind entgegen schlagen?
Möglicherweise aus dem Lager der traditionellen Feministinnen, die „Schneewittchenfieber” als Verrat an der Frauenbewegung klassifizieren könnten.

Sie setzen sich seit vielen Jahren mit dem Geschlechterdiskurs auseinander. Welche Emotionen weckt die derzeitige Diskussion rund um das Binnen-I bei Ihnen?
Ich fand sie eigentlich idiotisch. Die Gleichberechtigung hat so viele Baustellen offen, dass man sich nicht mit solchen Formalismen-Debatten unnötig aufhalten sollte.

Welche Botschaft möchten Sie jungen Frauen von heute mitgeben?
Macht euch niemals finanziell abhängig – egal wie viele Fortpflänze ihr in die Welt gesetzt habt. Und habt den Mut, mittelmäßige Mütter zu sein.

Schneewittchen-Fieber ist ab 22. September im Buchhandel!