Autor im Porträt: Florian Horcicka

Wenn mich ein Buch fesselt, kann mich kaum etwas aufhalten.

Bücherscore


Wie viele Bücher besitzen Sie:

ca. 300

Wie viele Bücher lesen Sie pro Monat:
2-3. Wenn mich ein Buch fesselt, dann lese ich bis zwei Uhr früh. Dann kann mich kaum etwas aufhalten.

Wie viele Minuten benötigen Sie für eine Buchseite?
1 min – geschätzt. Ich würde mich an sich als sehr schnellen Leser bezeichnen.

Die besten 3 Orte, um Bücher zu lesen?
Am Diwan in der Wohnung, am Küchentisch und am Wörthersee.

Die besten 3 Buchhandlungen:
Morawa/Wollzeile, Thalia/Landstraßer Hauptstraße, Herder/Wollzeile. Ich bin aber meist nur kurz in der Buchhandlung, weil ich vorher schon im Kopf habe, was ich kaufen will.

In welchen Sprachen lesen Sie:
85% Deutsch, 15% Englisch.

Ihr Leseverhalten print und digital:
100% print. Ich lese Bücher übrigens gern mehrmals.

Wie viel Geld geben Sie pro Monat für Bücher aus:
ca. 30-40 Euro

Wie viele Bücher haben Sie in Ihrem Leben nicht zurückgegeben:
Mehr als ich zurückgegeben habe, fürchte ich. Umgekehrt sind mir aber auch schon einige Bücher abhanden gekommen.

Wie viele ungelesene Bücher befinden sich in Ihrer Bibliothek:
Null. Ein paar habe ich nicht ganz zu Ende gelesen. Klassiker: Der Mann ohne Eigenschaften.

Zu meinem Buch "Das schmutzige Geld der Diktatoren"

Ich bevorzuge Treffen in gottverlassenen Vorstadt-Wirtshäusern.
Florian Horcicka in der Ukraine 2014
Florian Horcicka in der Ukraine 2014

Begaben Sie sich mit Ihren Recherchen auf Glatteis?
Die meisten Gesprächspartner und Informanten sind an einer klaren Einordnung in ein Freund-Feind-Schema interessiert. Da ich gerne mit beiden Seiten rede, um ein klares Bild zu bekommen, passe ich eigentlich nicht in dieses Schema. Manchem Informanten muss man aber den Eindruck vermitteln, dass man ganz auf seiner Seite steht – sonst bekommt man keine Informationen. Wien ist freilich klein und es ist dann ziemlich blöd, wenn man bei der diskreten Aktenübergabe durch die Gegenseite in einer Hotel-Lobby gesehen wird. Alles schon passiert. Daher bevorzuge ich Treffen in gottverlassenen Vorstadt-Wirtshäusern. Wichtig ist es nur vorher ein paar grundlegende Hinweise zur Art des Lokals zu geben, denn Nadelstreif und Maßschuhe können in einem Simmeringer Beisl erst recht zu unnötiger Aufmerksamkeit führen.
Unangenehm ist es auch, bei einem festlichen Empfang an den Tisch einer Person gesetzt zu werden, die bereits Gegenstand unfreundlicher Berichterstattung war. Da kann das Klima ziemlich eisig werden. Wobei aus solchen Leuten oft die besten Informanten werden können. Reden kann man nämlich immer.

Welchen der richtig großen Fische mit zwielichtigen Geldgeschäften hätten Sie für Ihr Buch gerne persönlich mit Ihrem Wissen konfrontiert?
Viktor Janukowitsch. Weil in seinem Fall besonders viele Connections nach Wien laufen. Er hat sich dabei mit interessanten Figuren eingelassen und am Ende für seine Hybris einen hohen Preis bezahlt. Mich interessiert, wie solche Menschen ticken und wie sie ihre Bereicherungen vor sich selbst bzw. vor den Bürgern ihres Landes verantworten.
Bei den meisten bin ich allerdings froh, eher auf Distanz zu agieren. Die Unterlagen sprechen ohnehin meist für sich. Und ich glaube nicht, dass einer der Betroffenen im persönlichen Gespräch sagen würde: „Ok, Herr Horcicka, jetzt haben Sie mich erwischt.“

Welche Eigenschaften muss ein guter Investigativjournalist haben?
Neugier, breites Allgemeinwissen, eine gewisse „was soll schon sein“-Mentalität. Nicht aufgeben: wenn man vorne rausfliegt und auch bei der Hintertür rausfliegt – irgendwo kommt man schon rein. Besonders wichtig: Sorgfalt bei der Recherche und sich nicht von Wichtigtuern blenden lassen. Gut gefällt mir auch das, was Stern-Gründer Henri Nannen den „befugten Blick“ genannt hat: mit völliger Selbstverständlichkeit an Orten, wo man eigentlich nichts zu suchen hat, aufzutauchen und so zu tun, als gehöre man zum Getriebe.

Wenn man sich mit Ihnen trifft, muss man Angst haben, dass Sie das gesamte Gespräch aufzeichnen oder gar Wanzen installieren?
Nein, heimliches Aufnehmen widerspricht meinem Sportsgeist. Sind alle einverstanden, wird natürlich mitgeschnitten. Das macht spätere Streitereien einfacher. Außerdem gibt es einige Gesprächspartner, die mich vorher auf Aufnahmegeräte abgesucht haben. Aber ich bin schon während eines Gesprächs aufs Klo gegangen und habe mir dort Notizen gemacht. Bei einigen Gesprächspartnern bin ich mir übrigens sicher, dass diese selbst unter dem Tisch mitschneiden.

Wie sieht Ihre private Bestsellerliste aus?
Das Alte Testament
Josef Roth: Radetzkymarsch
Hans Pretterebner: Der Fall Lucona
Jon Krakauer: Into the Wild
Christine Nöstlinger: Maikäfer flieg!
Hunter S. Thompson: Hell‘s Angels
Jewgeni Jewtuschenko: Stirb nicht vor deiner Zeit
Paul Gascoigne: Gazza – mein verrücktes Leben
Friedrich Torberg: Der Schüler Gerber
Josef Roth: Hiob

"Das schmutzige Geld der Diktatoren" ist ab 27. Februar im Buchhandel erhältlich!